Vögel sind Wildtiere, auch im Friesenberg

Ich laufe über den Friesenbergplatz. Plötzlich fliegt vor mir ein Schwarm Tauben hoch. Auf dem Boden haben sie Brotstücke aufgepickt. Dabei steht doch da ein Plakat, das sagt, dass das Füttern von Wildvögeln – Tauben zählen dazu – nicht gestattet ist.

Tauben sind Wildtiere. Das fällt mir jedes Mal auf, wenn ich versuche, einer Taube «Hallo» zu sagen, sie zu streicheln. Tauben, das erinnert mich an die Friedenstaube – solche sind auch auf den Bildern in der Kirche St. Theresia zu sehen.

Weisse Tauben gibt es in der Natur nicht, sie können allerdings von den Menschen, mit vielen Nachteilen für das Taubenleben, gezüchtet werden. Als Symbol steht die weisse Taube in vielen Kulturen zum Beispiel für Frieden, Unschuld, Treue, Liebe, Freiheit.

Gerade diese Symbolik führt dazu, dass Menschen diese Träger von Frieden, Unschuld, Treue, Liebe, Freiheit mit Futter«spenden» am Leben halten möchten. Bei aller Symbolik: auch den Wildvögeln schadet das Füttern durch Menschen!

Als ich kurz darauf den Friesenbergplatz in die andere Richtung überquere, sitzen die Tauben in einer Reihe oben auf der Dachkante. Und fliegen wieder davon. Hat wohl der Gleitschirmflieger, den ich sehe, sie erschreckt? Ich schaue genauer hin. Nein, das ist kein Gleitschirm. Das ist ein roter Milan, der seine Bögen hoch über dem Quartier zieht. Ein wilder Raubvogel, der «von Aas über kleine Wirbeltiere bis hin zu Regenwürmern» vieles frisst. Auch der rote Milan – eigentlich ein Zugvogel, der immer häufiger im Winter hier bleibt  – muss also nicht von Menschen gefüttert werden!

Ich komme auf meinem Weg an einigen Sträuchern vorbei. Ich höre viele zirpende Spatzen, ohne sie zu sehen. Es hat auch einige Meisen mit schönen Farben. Und ich höre den Gesang einer Amsel, die auf der anderen Strassenseite hoch oben auf einem Baum sitzt und singt.

Diese Wildvögel sind wie wir Teil der Schöpfung. Sorgen wir dafür, dass sie auch im Quartier ihre Lebensräume finden, auch wenn ihr Gekacke nicht immer angenehm ist.


Geschrieben für «Geschichten vom Zusammenleben von Menschen und Tieren aus unserem Quartier» (von Quartiernetz Friesenberg, der reformierten und der katholischen Kirche im Friesenberg).

Die Schweizer Autorin Monica Cantieni hat die gesammelten Geschichten am Sonntag, 31. Mai 2026 im Foyer (Pfarreizentrum St. Theresia) vorgelesen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert