{"id":28,"date":"2006-12-24T11:21:09","date_gmt":"2006-12-24T10:21:09","guid":{"rendered":"http:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/?p=28"},"modified":"2006-12-24T11:21:09","modified_gmt":"2006-12-24T10:21:09","slug":"weihnachtsgeschichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/2006\/12\/24\/weihnachtsgeschichten\/","title":{"rendered":"Weihnachtsgeschichten"},"content":{"rendered":"<p><!--more--><\/p>\n<p>Wie jedes Jahr trifft sicht die ganze Familie am Weihnachtsabend. Als es eindunkelt, sind alle Vorbereitungen f\u00fcr das Weihnachtsessen abgeschlossen. Noch ist es zu fr\u00fch f\u00fcr das festliche Essen. Eine wachsende Runde versammelt sich im grossen Wohnzimmer.<\/p>\n<p>Inga, Du hast doch eine Seminararbeit geschrieben zur Tradition der Geschichtenerz\u00e4hler. Erz\u00e4hl uns doch bitte eine Geschichte. Nickend und murmelnd schliesst sich die Runde dem Wunsch von Seibel, dem Bruder von Inga, an. Noch ziert sich Inga, doch eigentlich freut sie sich \u00fcber diese Bitte. Denn erz\u00e4hlen ist ihre Leidenschaft.<\/p>\n<p>Erz\u00e4hler haben eine sehr lange Tradition, in Urzeiten gab es n\u00e4mlich weder die Schrift noch Medien, auch Fotos und Tonaufnahmen waren unbekannt. Das gesprochene Wort stand f\u00fcr sich allein.<\/p>\n<p>Ich erz\u00e4hle Euch jetzt die Weihnachtsgeschichte, und zwar zusammen mit meinen Regieanweisungen an mich als Erz\u00e4hlerin. Sitzt Ihr alle so bequem, dass es auch in einer Stunde noch bequem ist? Plagen Euch keine Bed\u00fcrfnisse? Das ist wichtig, denn Ihr m\u00fcsst Euch auf die Ge-schichte einlassen, m\u00fcsst ihr mit Leib und Seele folgen. So, dann geht es jetzt los.<\/p>\n<p>Im Dorf Nazareth in Galil\u00e4a lebte Maria. Sie war schwanger, und im Dorf munkelte man verschiedenes \u00fcber den Vater dieses Kindes. Auch wenn Maria und ihr Verlobter Josef allen, die es wissen wollten, vom Besuch eines Himmelsboten und seiner Botschaft berichteten, so richtig konnten sich die Dorfbewohner die Sache nicht erkl\u00e4ren. Und Ihr wisst, diese Zweifel halten sich heute noch, mehr als zweitausend Jahre sp\u00e4ter. Nun, diese Ger\u00fcchte w\u00e4ren eine eigene Geschichte, ich aber will Euch erz\u00e4hlen von der Reise, die die beiden unternehmen mussten, wie viele andere Zeitgenossen. Weil es der Kaiser so wollte, mussten sich alle in die Steuerregister ihrer Heimatst\u00e4dte eintragen lassen. Josef und Maria hatten sich in Bethlehem in Jud\u00e4a, der Stadt Davids, zu melden. Das sind etwas mehr als hundert Kilometer. Eine kleine Sache eigentlich, so rasch mit dem Zug.<\/p>\n<p>Murren in der Runde.<\/p>\n<p>Ah ja, richtig, es gab ja damals gar keinen Zug. Also zu Fuss oder auf dem R\u00fccken eines Esels. Was denkt ihr, wie lange braucht man f\u00fcr hundert Kilometer per Esel? Josef wollte Maria etwas schonen, schliesslich war es wenige Tage vor dem Geburtstermin. So mit etwa drei bis vier Tagen ist schon zu rechnen. Und jetzt muss ich euch, die Ihr da so bequem in Euren Sesseln sitzt, die Beschwernisse dieser Reise schildern. Stellt Euch die damaligen Wege vor, ganz staubig, jeder leichte Windstoss wirbelt Staub auf, er dringt \u00fcberall ein, es knirscht zwischen den Z\u00e4hnen. Wenn es regnet, werden die Wege schlammig und rutschig, jeder Schritt wird zur Qual. Unterwegs hat es keine Brunnen, und beliebig viel Wasser l\u00e4sst sich nicht mitnehmen. Gasth\u00e4user gibt es nur ganz wenige, da bleibt nur die Uebernachtung draussen, irgendwo unter einem Baum. Maria und Josef leiden auf ihrem Weg nach Bethlehem, die schwangere Maria ganz besonders. Endlich, gegen Abend des vierten Tages, sehen sie in der Abendsonne ihr Ziel. Josef ermuntert Maria. Hier in dieser Stadt werden wir sicher eine gute Uebernachtungsm\u00f6glichkeit finden. Maria schweigt. Sie ist m\u00fcde, und manchmal muss sie auf die Z\u00e4hne beissen, sie sp\u00fcrt die ersten Wehen. Davon sagt sie Josef allerdings nichts. Und jetzt muss ich als Erz\u00e4hlerin beginnen, Euch gegen die Hoteliers von Bethlehem einzustimmen. Stellt Euch vor, Ihr habt ein Hotel. Alles ist ausgebucht, regelm\u00e4ssig klopfen Leute an die T\u00fcr und suchen eine Uebernachtungsm\u00f6glichkeit. Und jetzt habt Ihr genau zwei M\u00f6glichkeiten: entweder improvisiert Ihr jetzt und zaubert irgendwelche Uebernachtungsm\u00f6glichkeiten herbei. Nicht gerade gastfreundlich, denn das sind nur unbequeme L\u00e4ger. Oder Ihr risikiert, in der Bibel als ungastlich verewigt zu werden, auf ewig als abschreckende Beispiele Eurer Branche abgestempelt.<\/p>\n<p>Nun, nach der langen Herbergssuche landen Maria und Josef in einem sch\u00e4bigen Stall, teilen ihn mit Ochs und Esel. Eigentlich eine gute Nachbarschaft, sind doch das die Mobilit\u00e4tstr\u00e4ger der damaligen Zeit. Hier in diesem Stall bringt Maria ihr Kind auf die Welt. Dies gibt uns die Gelegenheit, die Improvisationsf\u00e4higkeit der damaligen Zeit zu bewundern: eine Futterkrippe dient als Ersatz f\u00fcr das Kinderbett, statt einer Matraze verwenden Maria und Josef Heu. In der Bibel steht, dass Jesus direkter Nachfahre der alttestamentlichen Helden Abraham und K\u00f6nig David ist. Das bietet Stoff f\u00fcr viele, viele Weihnachtspredigten, aber nicht hier, schliesslich ist das eine Weihnachtsgeschichte.<\/p>\n<p>Jetzt stehe ich vor der gr\u00f6ssten Herausforderung als Geschichtenerz\u00e4hlerin. Ich muss Euch multimedial verw\u00f6hnte Gesellschaft gleichzeitig beeindrucken, erschrecken und beruhigen. Da sitzen Hirten bei ihren Herden. Weil es schon sp\u00e4t ist, glimmen die Feuer nur noch ganz wenig. Auch die Schafe ruhen. Eine h\u00f6chst beschauliche Stimmung. Und PL\u00d6TZLICH: Licht, blendendes Licht, riesige Scharen von Engelsboten, Himmelsklang in den L\u00fcften. Und einer dieser Engel tritt auf die Hirten zu. K\u00f6nnt Ihr Euch vorstellen, wie die Hirten erschrecken, auch wenn die Szenerie sehr romantisch inszeniert ist. Als Kr\u00f6nung noch die laute Stimme dieses hell beleuchteten Himmelsgesch\u00f6pfes. Ist der erste Satz wirklich beruhigend? &#171;Habt keine Angst!&#187; Die Hirten sind immer noch geschockt von der pl\u00f6tzlichen St\u00f6rung. Verstehen sie die himmlische Botschaft? Alle Ehre geh\u00f6rt Gott im Himmel. Sein Frieden kommt auf die Erde zu den Menschen, weil er sie liebt! K\u00f6nnt Ihr euch das vorstellen? Das ist wie grosse Oper und Welttheater zusammen! Aber ist die Botschaft wirklich angekommen? Das mit dem Frieden haben irgendwie die Menschen nicht richtig verstanden. Die Hirten auf jeden Fall tun das, was ihnen gesagt wurde: sie brechen sofort auf, finden den Stall, finden das Neugeborene, dessen Mutter und Vater. Und nicht nur die Hirten und die neue Familie sind beeindruckt von diesen Ereignissen &#8211; ich nehme an, auch Ihr als meine Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer seid es!<\/p>\n<p>F\u00fcr einen Moment wird es ganz ruhig im Wohnzimmer. Es ist, wie wenn die Runde sich aus der Erz\u00e4hlung in die Gegenwart zur\u00fcckfinden m\u00fcsste. Z\u00f6gernd kommt anerkennender Applaus auf. So habe ich die Weihnachtsgeschichte noch nie geh\u00f6rt, meint Seibel, bis jetzt waren das f\u00fcr mich nur Worte. Du hast die gleichen Worte genommen und hast mich sowohl unterhalten als auch diese Geschichte miterleben lassen. Und Du hast Bilder zu dieser Weihnachtsgeschichte gezeichnet, die ich mir bis jetzt nie vorgestellt habe.<\/p>\n<p>Jetzt ist Zeit f\u00fcr das Weihnachtsessen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-28","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weihnachtsgeschichte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=28"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=28"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=28"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=28"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}