{"id":238,"date":"2018-12-24T14:44:07","date_gmt":"2018-12-24T13:44:07","guid":{"rendered":"http:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/?p=238"},"modified":"2018-12-24T14:44:07","modified_gmt":"2018-12-24T13:44:07","slug":"mehr-als-wuensche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/2018\/12\/24\/mehr-als-wuensche\/","title":{"rendered":"Mehr als W\u00fcnsche"},"content":{"rendered":"<p><!--more--><\/p>\n<p>Beim Gang durch die Stadt fallen sie auf. \u00dcberall hat es blau-rote Streifenmuster. Mal so gross wie eine Kreditkarte, aufgeklebt hinten an Autos. Im Format von Postkarten h\u00e4ngen sie bei den Grossverteilern in der Fleischabteilung oder neben dem K\u00e4seregal. Auf Plakaten f\u00fcr Flugreisen sind die Streifen ebenfalls zu sehen, am einen Ende Richtung blau, am anderen Ende Richtung rot. Bei vielen H\u00e4usern sind die Hausnummern mit dem Streifenblatt \u00fcberklebt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/umweltnetz.ch\/images\/tempverlauf\/tempjahrqol_zhfluntern.php\" width=\"810\" height=\"420\" class=\"alignnone size-medium\" \/><\/p>\n<p>Blau-Rot, das sind die Farben des aktuellen Leaders der Fussballmeisterschaft. Zwei Parteien haben den h\u00f6chsten Anteil von W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler in der Stadt \u2013 sie verwenden je rot und blau als Parteifarbe.<\/p>\n<p>Das nationale Gratisblatt berichtet eines Tages ebenfalls \u00fcber die Streifen. Dabei wird bekannt, dass die Streifen auch in anderen St\u00e4dten zu sehen sind, und zwar sowohl im Inland wie im Ausland.<\/p>\n<p>Die Streifen werden zum Stadtgespr\u00e4ch. Immer wieder wird diskutiert, was wohl hinter diesen Streifen stehen k\u00f6nnte. Blau und rot, das steht doch f\u00fcr den Kaltwasser- und den Warmwasserhahn in der K\u00fcche oder beim Waschtisch, da geht es sicher um kalt und warm. Dies ist h\u00e4ufig zu h\u00f6ren bei solchen Gespr\u00e4chsrunden. Manchmal sind Menschen mit dabei, die wissend schmunzeln, die sich aber nicht an den Diskussionen beteiligen.<\/p>\n<p>Am letzten Novembertag erkl\u00e4rt eine Klimaforscherin die Sache mit den Streifen. Gezeigt wird darauf f\u00fcr jede Stadt der Verlauf der Jahresmitteltemperatur, seit es Temperaturmessungen gibt. Sechs blaue und ebenfalls sechs rote Farbt\u00f6ne zeigen das Spektrum der Aussentemperaturen auf.<\/p>\n<p>Je dunkler das Blau, desto k\u00e4lter war das Jahr. Auf der anderen Seite: je dunkler das Rot, desto w\u00e4rmer war das Jahr. Die Streifen haben eine \u00e4hnliche Eigenschaft f\u00fcr alle St\u00e4dte: sie haben eine eher blaue und eine eher rote Seite. Die blauen Streifen weisen auf k\u00e4ltere Jahre vor etwa hundertf\u00fcnfzig Jahren hin, die dunkelroten Streifen h\u00e4ufen sich in den letzten f\u00fcnfundzwanzig Jahren. Diese Streifen sind eine Illustration der Klimaver\u00e4nderung, und zwar der von Menschen gemachten, darin besteht fast einhellige \u00dcbereinstimmung. Eigentlich sollte sogar von einer Klimakrise gesprochen werden, so kr\u00e4ftig seien n\u00e4mlich die Ver\u00e4nderungen, und dies nicht nur bei der Temperatur. Wenn es so weitergehe, k\u00f6nne dies f\u00fcr die Menschheit gef\u00e4hrlich werden. Und ab morgen gebe es einen Adventskalender mit Tipps, was jede und jeder gegen die Klimakrise tun k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Zwei Minuten dauert dieser YouTube-Beitrag. Im Verlaufe des Tages wird er tausende Male betrachtet und auf den Social-Media-Kan\u00e4len geteilt. Am Abend berichten die Medien \u00fcber den Hintergrund der Streifen. Diese Berichte laden dazu ein, in den n\u00e4chsten Tagen den Adventskalender zu besuchen.<\/p>\n<p>M\u00e4nner, Frauen, Kinder, Jugendliche erz\u00e4hlen in den Fenstern \u00fcber ihr Klimaschutz-Engagement. Klimaschutz ist in allen Lebensbereichen m\u00f6glich und n\u00f6tig. Manchmal geht es ganz leicht, hin und wieder geht es auch um den Abschied von lieb gewordenen Gewohnheiten.<\/p>\n<p>Die Adventsfenster-Beitr\u00e4ge sind ebenfalls auf YouTube zu finden. Je nach Thema fliessen sie auch in die beruflichen Netzwerke ein. Wie die farbigen Streifen ist auch der Adventskalender bald Stadtgespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Im zweitletzten Fenster erz\u00e4hlt eine Sch\u00fclerin dar\u00fcber, wie der Adventskalender zustande gekommen ist. Nach einem Filmabend wurde in einer Jugendgruppe diskutiert, was gegen die Klimakrise getan werden k\u00f6nne. Es entstand die Idee, mit guten Beispielen aus allen Lebensbereichen zu zeigen, dass jede und jeder viele Beitr\u00e4ge zum Klimaschutz leisten kann. \u00dcber die Eltern und Bekannte wurde etwas Geld gesammelt, um die Streifen produzieren zu k\u00f6nnen. Ebenso ging es darum, die YouTube-Filmchen zu drehen und zu schneiden. Heikel ist nur das Aufkleben der Streifen, weil dies eigentlich verboten ist. Es wurde nur Recycling-Papier verwendet, die Klebstoffe sind biologisch abbaubar und einfach abzuwaschen. Auch in anderen St\u00e4dten habe es Freundinnen und Freunde gegeben, die die Streifen aufgeklebt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Im letzten Adventskalender-Fenster geht es um W\u00fcnsche. Die vier Menschen, die an den vier Adventssonntagen von ihren Klimaschutz-Beispielen erz\u00e4hlt haben, bringen ihre W\u00fcnsche vor \u2013 W\u00fcnsche, die \u00fcber Weihnachten hinausgehen. Die Sch\u00fclerin, welche am Tag vorher den Adventskalender vorgestellt hat, berichtet dar\u00fcber, dass schon ihre Eltern vor mehr als zwanzig Jahren klimasch\u00fctzerisch t\u00e4tig waren. Es ist zwar schon vieles gemacht worden, das reicht aber leider nicht aus, um gegen die Klimakrise vorzugehen. Wir alle m\u00fcssen mehr tun wollen.<\/p>\n<p>Und so steht am Schluss des Adventskalenders ein Wunsch, der mehr als ein Wunsch ist: Wenn wir es alle wollen, dann schaffen wir es, genug gegen die Klimakrise zu tun!<\/p>\n<p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,3],"tags":[35,36,37,38],"class_list":["post-238","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-geschichte","category-weihnachtsgeschichte","tag-klimakrise","tag-klimastreifen","tag-weihnachtswuensche","tag-wuensche"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/238","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=238"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/238\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=238"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=238"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=238"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}