{"id":183,"date":"2014-01-25T23:16:37","date_gmt":"2014-01-25T22:16:37","guid":{"rendered":"http:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/?p=183"},"modified":"2014-01-25T23:16:37","modified_gmt":"2014-01-25T22:16:37","slug":"ein-anstrengender-morgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/2014\/01\/25\/ein-anstrengender-morgen\/","title":{"rendered":"Ein anstrengender Morgen"},"content":{"rendered":"<p><!--more--><\/p>\n<p>Pling. Pling. Nochmals. Pling. Pling. Das kam aus der K\u00fcche. Da war auch ein blinkendes Licht. Auf dem Bildschirm daneben steht: Lieferung soeben angekommen. Bitte im Lagergestell an Platz C3 einr\u00e4umen. Der blinkende Pfeil zeigt nach rechts. Als Rina den Schrank \u00f6ffnet, blinkt es oben in der Mitte, C3 steht da. Die Kunststoffkiste, die der automatische Hauslieferdienst abgeliefert hat, passt genau an diesen Platz. <\/p>\n<p>Pling. Pling. Das kommt aus dem Wohnzimmer. Dort steht seit zwei Wochen das neueste Modell des 3D-Druckers, der wirklich alles drucken kann. <\/p>\n<p>Spritzbeh\u00e4lter mit Schokolade bitter, rosa, aus biologischem Anbau, Fair-Trade, ist derzeit nicht im Haushaltvorrat. Lieferung erfolgt in etwa 35 Minuten. Bitte best\u00e4tigen, dass der n\u00e4chste Druckauftrag erledigt werden soll.<\/p>\n<p>Rina dr\u00fcckt auf den OK-Knopf. Fasziniert beobachtet sie, wie der Bedienroboter des 3D-Druckers einen grossen Spritzbeh\u00e4lter aus dem Lagerraum holt und in die Maschine einsetzt. Die Maschine setzt sich in Bewegung. Was da wohl gedruckt wird? <\/p>\n<p>Pling. Pling. Diesmal kommt das Ger\u00e4usch aus dem G\u00e4stezimmer, dort, wo Rina ihren Computer aufgestellt hat. Bitte Passwort eingeben, heisst es auf dem Bildschirm. Und unmittelbar darunter steht, dass der Computer aufgrund der grossen Menge Mails, die im Eingangspostfach warten, automatisch gestartet wurde. <\/p>\n<p>Pling. Pling. Das kommt schon wieder aus der K\u00fcche. Einen kurzen Moment verweilt Rina beim 3D-Drucker. Da scheint etwas aus einem Gewebe zu entstehen. Lange kann sie nicht zuschauen, da nervt immer noch das Ger\u00e4usch aus der K\u00fcche. Schon wieder der Hauslieferdienst. Bitte im K\u00fchlschrank Sektor K9 mit dem dort stehenden Container austauschen. Bitte den leeren Container hier ablegen. Als Rina die K\u00fchlschrankt\u00fcr \u00f6ffnet, blinkt es unten links. Richtig, da befindet bei K9 bereits ein Container. Schnell ist der Wechsel erfolgt.<\/p>\n<p>Pling. Pling. Wieder der Computer. Guten Morgen Rina. Herzliche Gratulation zum Geburtstag. Es warten 56 Mails mit Geburtstagsw\u00fcnschen. 17 davon enthalten Auftr\u00e4ge f\u00fcr den 3D-Drucker. 22 Mails enthalten Bilder. 327 Spam-Mails wurden direkt in den digitalen Papierkorb verschoben. <\/p>\n<p>Es zeigt sich ein grosser Chor auf dem Bildschirm, der nun im Endlos-Loop Happy Birthday singt. Zwischen den einzelnen Wiederholungen liest der Computer die eingegangen Mails vor.<\/p>\n<p>Pling. Pling. In der Mitte unten erscheint ein neues Fenster. Auf rot blinkendem Hintergrund ist zu lesen, dass 13 der Gl\u00fcckw\u00fcnsche mit Auftr\u00e4gen f\u00fcr den 3D-Drucker Schokolade oder andere S\u00fcssigkeiten enthalten w\u00fcrden. Die S\u00fcssigkeitenmenge \u00fcbersteige das f\u00fcr ein gesundheitliches Wohlbefinden angemessene Mass erheblich. Beim Klick auf den OK-Button werde der Computer die Druckauftr\u00e4ge so \u00fcber die n\u00e4chsten drei Wochen verteilen, dass ein vern\u00fcnftiges Mass an S\u00fcssigkeiten nicht \u00fcberschritten werde. Ganz klein sind zwei weitere Buttons zu sehen, f\u00fcr die doppelte und f\u00fcr die vierfache S\u00fcssigkeitenmenge. Weil Rina in den n\u00e4chsten Tagen einige G\u00e4ste erwartet, w\u00e4hlt sie die Vierfach-Option. Der Computer best\u00e4tigt mit einem Doppel-Bling. Auch wenn der virtuelle Chor immer noch singt, ist aus der K\u00fcche schon wieder das bekannte Ger\u00e4usch zu h\u00f6ren. Das ist nun wohl der angek\u00fcndigte Schokoladen-Spritzbeh\u00e4lter. <\/p>\n<p>Beim Vorbeigehen am Drucker erkennt Rina, dass da gerade ein Halstuch entsteht. Dieses Muster kennt sie doch, das kann nur von ihrer Schon-immer-Freundin Liselotte entworfen worden sein. <\/p>\n<p>Nach dem Einr\u00e4umen des eben gelieferten Containers erfordert bereits wieder der 3D-Drucker ihre Aufmerksamkeit. Der Bedienroboter streckt ihr das fertige Halstuch entgegen, und l\u00e4sst es los, als sie es ergreift. Schnell legt sich Rina das Tuch um den Hals. Das Gewebe f\u00fchlt sich anschmiegsam an, gibt angenehm warm. Der Drucker ist bereits wieder an der Arbeit, da scheinen Handschuhe zu entstehen.<\/p>\n<p>Bling. Bling. Schon wieder aus der K\u00fcche. Doch da ist ein neuer, ein aufdringlicher Ton zu h\u00f6ren. Das ist doch &#8230;<\/p>\n<p>&#8230; die T\u00fcrklingel. Sofort ist Rina wach, springt aus dem Bett, schl\u00fcpft in den Morgenrock. Mit einer schnellen Bewegung stoppt sie den Bling-Wecker, und eilt zur T\u00fcre. Im Treppenhaus steht die Fahrerin einer der vielen Lieferdienste, streckt ihr mit einem Lachen eine Kartonschachtel entgegen. <\/p>\n<p>Jetzt haben Sie Gl\u00fcck gehabt. Normalerweise l\u00e4ute ich h\u00f6chstens zwei Mal, aber heute habe ich es ein drittes Mal probiert, weil ich den Wecker geh\u00f6rt habe. Ich w\u00fcnsche einen sch\u00f6nen Tag. Und sie verschwindet die Treppe hinunter.<\/p>\n<p>Einen Moment bleibt Rina stehen, mit der Schachtel unter dem Arm. Gestern Abend hat sie einige Internet-Artikel \u00fcber die neuesten 3D-Drucker gelesen. Es soll die ersten Modelle geben, die Lebensmittel verarbeiten k\u00f6nnen. Es gibt auch bereits Produkte, die Kleider herstellen k\u00f6nnen. Statt aufzuwachen, hatte der elektronische Weckerton aus diesen Internetberichten einen anstrengenden Morgentraum bewirkt.<\/p>\n<p>Langsam geht Rina in die Wohnung zur\u00fcck, schliesst die T\u00fcr, setzt sich an den Tisch in der K\u00fcche. Sie \u00f6ffnet das Paket. Herzliche Gratulation zum Geburtstag, Rina!, steht in Pink-Zuckerguss auf einer dunklen Schokoladenkreation. Und darunter liegen ein Halstuch und ein Paar Handschuhe. Dieses Muster hat sie also schon mal gesehen, als sie k\u00fcrzlich unverhofft bei Liselotte zu Besuch war. <\/p>\n<p>Rina sitzt am Tisch, nimmt hin und wieder einen Schluck Tee, und staunt immer noch, wie sich einige ihrer Erinnerungen in einem Traum zusammengefunden haben, der \u00fcberraschende Gemeinsamkeiten mit der Realit\u00e4t zeigt. Das ist ein zwar anstrengender, aber auch anregender Start in den Geburtstag!<\/p>\n<p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[25,26,27,28],"class_list":["post-183","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-geschichte","tag-3d-drucker","tag-geburtstag","tag-geschenke","tag-traum"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/183","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=183"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/183\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=183"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=183"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichten.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=183"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}